„Ça faisait ma femme en colère.“ Dieser Satz ist ein echter Schülerfehler - und die perfekte Falle: „faire“ scheint auf Französisch alles sagen zu können... aber diesmal nicht. Hier brauchte es „mettre“: „ça mettait ma femme en colère“ (das machte meine Frau wütend). Woher weißt du also, wann „faire“ den Job macht - und wann nicht?
„Faire“ ist das vielseitigste Verb des Französischen. Es deckt Aktivitäten ab (faire du sport, faire la cuisine), das Wetter (il fait beau), Empfindungen (faire peur, faire mal, faire plaisir), die kausative Konstruktion (faire réparer = reparieren lassen) und Dutzende feste Ausdrücke: faire attention (aufpassen), faire confiance (vertrauen), faire la queue (Schlange stehen), faire exprès (etwas absichtlich tun). Aber für Emotionen bevorzugt das Französische „mettre“: mettre en colère, nicht „faire en colère“.
Faire du, faire de la: Sport und Aktivitäten
Um über eine Aktivität zu sprechen, die du ausübst, lautet die Struktur „faire + du / de la / de l'“:
- „Je fais du sport trois fois par semaine.“ (Ich mache dreimal pro Woche Sport.)
- „Elle fait de la natation.“ (Sie schwimmt.)
- „Tu fais de l'escalade ?“ (Kletterst du?)
- „On fait du vélo le dimanche.“ (Wir fahren sonntags Fahrrad.)
Je nach Fall entspricht das dem deutschen „machen“, „treiben“ oder „fahren“ - aber gute Nachricht: „Sport machen“ funktioniert fast eins zu eins wie „faire du sport“. Anglophone haben es schwerer, sie jonglieren mit to do, to play und to go.
Faire la, faire le: die Hausarbeiten
- „faire la cuisine“ (kochen)
- „faire la vaisselle“ (den Abwasch machen)
- „faire le ménage“ (putzen, den Haushalt machen)
- „faire les courses“ (einkaufen gehen)
- „faire la lessive“ (Wäsche waschen)
- „faire son lit“ (sein Bett machen)
Tipp: Fast alle Hausarbeiten werden mit „faire“ gebildet. Wenn es zu Hause passiert und lästig ist, versuch es mit „faire“ - in neun von zehn Fällen liegst du richtig.
Die unverzichtbaren festen Ausdrücke
- „faire attention“: aufpassen, vorsichtig sein. „Fais attention en traversant !“
- „faire confiance à“: vertrauen. „Je te fais confiance.“
- „faire peur à“: Angst machen. „Ce film m'a fait peur.“
- „faire mal à“: wehtun. „Mes chaussures me font mal.“
- „faire plaisir à“: Freude machen. „Ça me fait plaisir de te voir.“
- „faire la queue“: Schlange stehen. „On a fait la queue une heure.“
- „faire exprès“: etwas absichtlich tun. „Pardon, je n'ai pas fait exprès !“
- „faire semblant“: so tun als ob. „Il fait semblant de dormir.“
- „faire de son mieux“: sein Bestes geben. „J'ai fait de mon mieux.“
- „faire la grasse matinée“: ausschlafen. „Dimanche, je fais la grasse matinée.“
- „faire un tour“: eine Runde drehen. „On va faire un tour ?“
- „faire des économies“: Geld sparen. „Je fais des économies pour voyager.“
Il fait: das Wetter
Das französische Wetter gehört „faire“, in unpersönlicher Form - dort, wo das Deutsche „sein“ benutzt:
- „Il fait beau.“ (Das Wetter ist schön.)
- „Il fait froid / chaud.“
- „Il fait 25 degrés.“
- „Il fait nuit / jour.“
Faire + Infinitiv: die kausative Konstruktion
Das ist eine der mächtigsten Verwendungen von „faire“: „faire + Infinitiv“ bedeutet, eine Handlung auszulösen oder sie an jemanden zu delegieren - wie das deutsche „lassen“.
- „Je fais réparer ma voiture.“ (Ich lasse mein Auto reparieren - der Mechaniker repariert.)
- „Ce film m'a fait pleurer.“ (Dieser Film hat mich zum Weinen gebracht.)
- „Elle a fait travailler les élèves.“ (Sie hat die Schüler arbeiten lassen.)
Ein echter Fehler aus dem Coaching: „Ça nous a gagné du temps.“ Das Kausativ fehlt: ✅ „Ça nous a fait gagner du temps.“ (Das hat uns Zeit gespart - wörtlich: das hat den Zeitgewinn ausgelöst.)
Wann „faire“ NICHT passt
Der Reflex „faire = machen/tun“ erzeugt Wort-für-Wort-Übertragungen, die auf Französisch nicht funktionieren:
- ❌ „Ça faisait ma femme en colère.“ → ✅ „Ça mettait ma femme en colère.“ Für Emotionen und Zustände verwendet das Französische „mettre“: mettre en colère (wütend machen), mettre mal à l'aise (verunsichern), mettre de bonne humeur (in gute Laune versetzen). Achtung: Auf Deutsch sagst du „wütend machen“ - genau deshalb ist diese Falle für dich besonders tückisch.
- ❌ „Faire une décision.“ (Calque des englischen to make a decision, typisch für Anglophone) → ✅ „Prendre une décision.“ Wie im Deutschen: Eine Entscheidung wird „getroffen“, nicht „gemacht“.
- ❌ „Faire du sens.“ (Calque des englischen to make sense) → ✅ „Avoir du sens.“ „Ça a du sens.“ Übrigens: Das deutsche „Sinn machen“ ist genau derselbe Anglizismus - korrekt heißt es „Sinn ergeben“, und auf Französisch eben „avoir du sens“.
- ❌ „J'ai fait des amis ici.“ (Calque des englischen I made friends) → ✅ „Je me suis fait des amis ici.“ Das Verb ist pronominal: se faire des amis.
Übrigens: „faire une erreur“ kann man sehr wohl sagen - „commettre une erreur“ ist im Schriftlichen einfach gepflegter. Und „faire la fête“ bedeutet feiern: „on a fait la fête tout le week-end.“
Wie du dir das alles merkst
- Nach Verwendungskategorie: Aktivitäten (faire du), Haushalt (faire la), Wetter (il fait), feste Ausdrücke (faire attention, faire confiance, faire la queue...), Kausativ (faire + Infinitiv). Fünf Schubladen statt fünfzig loser Ausdrücke.
- Durch wiederholtes Hören: „faire“ taucht in fast jedem französischen Gespräch auf. Hör dir Alltagsdialoge an und notiere jedes „faire“, das du hörst: Du wirst sehen, dass immer dieselben Strukturen zurückkommen.
- Mit dem Calque-Test: Wenn du Wort für Wort aus dem Deutschen oder Englischen übersetzt und es seltsam klingt, such das passende französische Verb (prendre une décision, avoir du sens, mettre en colère).
NB: Verwechsle nicht „faire mal“ und „faire du mal“. „Mes chaussures me font mal“ = körperlich (sie tun weh). „Il m'a fait du mal“ = emotional (er hat mir wehgetan). Das kleine „du“ ändert das Register des Schmerzes.




